[123] Tag 20 – Horrorstraßen und interessante Vögel

Montag, 18. Mai 2026

Gegen 10 Uhr haben wir den wunderschönen Platz verlassen – leider hatte es ein wenig genieselt und der Himmel sieht gar nicht so freundlich aus wie er sich gestern Abend zeigte. Aber was soll’s – wir mussten ja weiter!

Verabschiedung vom Campingplatz Rauðsdalur

Zunächst fuhren wir westlich am Südufer der Westfjorde entlang, bis wir die Straße wechselten und uns ein wenig nördlich bewegten. Kurz vor dem nördlichen Ufer der Landung zeigte sich das Wetter von besserer Seite.

Das Wetter bessert sich

Auf dem kleinen Pass über den Rücken der Landzunge haben wir an einem kleinen Parkplatz angehalten, der zu Ehren der Bauarbeiter der Straße von ebendiesen angelegt wurde.

Auf dem Parkplatz der Passstraße

Langsam kamen wir dann wieder ans Wasser und wir fuhren am südlichen Ufer des Patreksfjörður nach Westen.

Angela hatte einen kleinen Frühstücksplatz etwas abseits der Hauptroute entdeckt, den wir angesteuert haben. Irgendwann – so nach etwa 10 m – ging der Straße dann der Asphalt aus – ein Vorbote auf Schlimmeres?! Aber das Wetter wurde immer besser! Die Straße wurde immer anspruchsvoller und enger – als der LKW entgegenkam oder wir an der großen Baumaschine vorbei mussten wurde dies deutlich merkbar.

Road under Construction

Vor der kleinen Kirche in der Nähe des gigantischen Sandstrandes Rauðasandur haben wir dann unser Frühstück eingenommen.

Da wir die 12 km Rüttelpiste wieder zurück fahren mussten und noch in das Hnjótur-Museum wollten, entschieden wir uns gegen den Spaziergang zum Strand und machten uns mit den Sprintern auf den Weg.

Blick in Richtung Rauðasandur

Also wieder zurück auf die Sandpiste und in Richtung Museum – auf dem Weg immer wieder beeindruckende Aussichten.

Rückfahrt von der Frühstückspause

Am Museum angekommen konnte man zunächst nicht recht entscheiden, ob man nicht doch auf einem Schrottplatz angekommen war, doch dazu später. Im Museum selbst gibt es viele Exponate aus der Vergangenheit der Westfjorde, insbesondere aus dem Haupterwerb, der Fischerei. Angeln, Harpunen, Gewehre und allerlei sonstiges Fischereigut sowie eine Sammlung von früheren Haushaltsgegenständen, Näh- und Strickmaschinen usw. Ein buntes, aber durchaus interessantes Sammelsurium.

Die DC 3 der United States Navy

Im anderen Raum dann eine interessante Ausstellung zur Rettung der Besatzung des britischen Trawlers Dhoon, der am 12. Dezember 1947 vor Látrabjarg gestrandet war. Dramatisch, wie sich damals die Retter, allesamt Landwirte und -wirtinnen aus der Gegend, die 80 m hohen Klippen abseilten, um die Schiffsbesatzung im kalten Wintersturm zu retten.

Der Museumsgründer Egill Olafsson hatte scheinbar nicht nur Interesse an der Fischerei und Farmwirtschaft, sondern auch an der Fliegerei – so sammelte er auch dazu Gegenstände. Es stehen unter anderem ein Mercedes-Benz Kurzhauber der Icelandair dort und eine Douglas DC 3 der United States Navy.

Der Kurzhauber …

Weiter ging es dann zu unserem heutigen Campingplatz – weitere 12 km unbefestigte Straße, für die wir 23 Minuten benötigten.

Da ist er, der Campingplatz

Der Platz ist toll gelegen, das namengebende Hotel Breidavik schon etwas in die Jahre gekommen. Platz, Küche und Aufenthaltsraum waren okay. Empfehlung anderer Reisender: Schaut Euch den Vogelfelsen Látrabjarg am späteren Abend an – da ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten.

Campingplatz und Hotel Breidavik

Also haben wir erst etwas gegessen und sind dann um 18:50 aufgebrochen. Ich machte den Vorschlag, zusammen zu fahren – es gab ja keinen Grund, mit beiden Autos die Strecke zu fahren. Also bin ich mit meinen 4 eingetragenen Sitzplätzen gefahren und es war … Horror!

Foto von der Rückfahrt – da war ich schon etwas entspannter. Auf der Hinfahrt saß ich als hypnotisiertes Kaninchen hinterm Steuer und dachte nicht im Entferntesten daran, Fotos zu machen.

Die Strecke bis Ásgarður war schlechte Sand- und Steinpiste – sehr holperig, aber fahrbar. Bei Ásgarður wurde die Straße wohl instandgesetzt und alle Fahrzeuge über eine Umleitung geschickt. Die hatte es in sich: Es wurde eine provisorische Fahrbahn errichtet – nicht aus Schotter sondern eher aus Felsbrocken. Eisenbahnschotter bestünde aus Sandkörnern im Vergleich. Unglaublich. Wir haben es dann aber doch noch die 13 km bis zum Parkplatz am Vogelfelsen Látrabjarg geschafft. Im 35 Minuten! Was wir allerdings dort sahen, entschädigte für das Gerüttel und Geschaukel.

Die meisten gingen vom Parkplatz aus gleich in die Höhe – Angela jedoch ging mehr oder weniger ebenerdig in die entgegengesetzte Richtung zur Klippe und rief: „schaut mal!“. HURRA! Papageientaucher – Puffins! Sind die tapsig! Und sie sind überhaupt nicht scheu und wir waren teilweise keine 3 m von Ihnen weg. Die putzigen Tierchen bauen sich Höhlen in der Erde unter der Grasnarbe über der Felsklippe und tapsen immer wieder heraus, um sich zu sonnen. Ach ja: das Wetter war großartig für unsere Vogelbeobachtungstour. Relativ tiefsehende Sonne, blauer Himmel, ein bisschen Wind.

Weiter oben auf den Klippen am eigentlichen Vogelfelsen dann hunderte oder sogar tausende Vögel – hauptsächlich Tordalken. Wahnsinn, wie dicht gedrängt da gebrütet wird und wie viele Vögel da durcheinander fliegen!

Parkplatz am Vogelfelsen Látrabjarg

Glücklich haben wir um 20:55 den Rückweg angetreten und waren um 21:40 wieder am Campingplatz. Diesmal habe ich mir noch etwas mehr Zeit gelassen und auf dem übelsten Schotterstück hatten wir Gegenverkehr. Da es in diesem Abschnitt mehr oder weniger einspurig war, habe ich am Anfang gewartet, bis der PKW durch war – ich hatte keine Lust, bei den Bedingungen auch noch rückwärts fahren zu müssen.

Zur abschließenden Beruhigung saßen wir noch ein paar Minuten zusammen und tranken einen leckeren Absacker.

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