[135] Tag 32 – Viel Wasser heute!

Samstag, 30. Mai 2026

Heute wollen wir den Mývatn verlassen. Nach der Abfahrt fahren wir wenige Kilometer zur Grjótagjá. Es handelt sich hier um eine Höhle mit kleinem See darin, der allerdings aufgrund gestiegener geothermaler Aktivität nicht mehr zum Baden genutzt werden kann.Die Höhle liegt direkt im Bereich der Verwerfungszone zwischen den Kontinentalplatten von Amerika und Europa.

Wahnsinn, was die Natur hier bietet! Leider schneit es wieder und es windet extrem, so dass wir keinen längeren Spaziergang über die Gegend unternahmen, sondern nur die Spaltenbildung in der unmittelbaren Nähe des Parkplatzes und die ehemalige Badehöhle besuchten.

Direkt neben der Höhle verläuft die hier auch oberirdisch sichtbare Verwerfungszone der Kontinente

Nächstes Ziel ist das wenige Kilometer entfernte Hochtemperaturgebiet Hverir am Fuß des Vulkans Námafjall, der ebenfalls zum Vulkansystem Krafla gehört. Ganz schön teuer, das Parken hier! Auffällig ist das großräumige Fehlen von Schnee hier um die blubbernden Schlammquellen: Offensichtlich ist der Boden hier etwas wärmer. wir sind dann zwischen den verschiedenen blubbernden und dampfenden und nach Schwefel riechenden Löchern in der Erde oder in kleinen Kegeln durchgelaufen.

Man kann sich nur über die Menschen wundern. Ein Mann hält seine Hand in den deutlich hörbar zischenden Dampf eines großen Kegels und ruft überrascht „ouch, it’s hot!“ Andere wiederum sind zu doof, die Regeln zu verstehen, ignorieren die Absperrungen und trampeln überall herum.

Leider gibt es den Pool am Ende des Hochtemperaturgebietes nicht mehr funktionsfähig: Die Umrandung aus Beton ist an mehreren Stellen geborsten – hier scheint sich die Erde mehr bewegt zu haben, als der Erbauer der Anlage vorhergesehen hatte.

Yes, it’s hot!

Das Wetter wurde sehr ungemütlich, so dass wir uns dann schnell wieder in die Sprinter verzogen haben, um weiterzufahren.

Vom Hverir Hochtemperaturgebiet haben wir uns auf den Weg zum Viti gemacht, einem Maarsee in etwa 10 km Entfernung. Der Weg dorthin gestaltete sich als spannend – Allrad war hilfreich, ein frontgetriebenes Fahrzeug hatte auf der Steigung des letzten Teilstücks der Straße aufgegeben und umgedreht. Das Wetter dort oben in etwas über 550 m Höhe war sehr ungemütlich: kalt und wieder einmal sehr windig.

Der laut Fotos wegen seiner Farbgebung sehr sehenswerte Kratersee war leider noch zugefroren und verschneit – also nix mit türkisblau …

Auf dem Rückweg vom Viti kamen wir an einem der größeren Geothermie-Kraftwerke vorbei, wo sie direkt aus dem Dampf des Zentralvulkans Krafla mittels zweier Turbinen etwa 60 MW elektrische Leistung erzeugen – und das sie in den nächsten Jahren auf 150 MW ausbauen wollen.

Auf einem kleinen Parkplatz links der Straße hielten wir dann kurz für ein Foto an der „Hot Spring Shower“ an, einer durch heißes Quellwasser betriebenen Dauerdusche. Bei den Temperaturen war mir aber die Wassermenge zu gering, um wirklich drunterzuspringen, also musste es bei ein paar Fotos bleiben.

Weiter ging es in Richtung Osten auf der Ringstraße 1. Je weiter es nach Osten ging, desto höher kamen wir und desto mehr Schnee war zum Teil auf der Straße. Wir haben dann auf dem gleichen Rastplatz gefrühstückt wie auf der Fahrt zum Mývatn.

Weiter ging’s auf der Ringstraße 1 bis wir rechts in die Stichstraße zum Stuðlagil-Canyon abbogen. Etwa auf halber Strecke wechselte der Straßenbelag von Asphalt auf Schotter. Es waren schon spannende Ausblicke von der Straße nach links zum Fluss Jökla, der sich da in der Schlucht durch die Landschaft fräst.

Kurz vor dem Campingplatz wollte dort eine Frau ihren Begleiter mit dem Mietwagen überfahren.

Sie hat wohl gemerkt, dass sie ein wenig weit in der Mitte der Straße angehalten hatte, ihren Begleiter draußen neben dem Auto vergessen und das Auto an den Straßenrand gefahren 😂

Der Campingplatz selbst ist wegen der Regenfälle der letzten Wochen noch gesperrt bis auf die drei Schotterplätze direkt neben der Imbissbude. Da wir früh dran und damit die ersten waren, hatten wir freie Platzwahl. Wir haben uns dann auf den Weg zum Stuðlagil-Canyon gemacht – das war allerdings einfach, denn die Treppenstufen starteten direkt am nebenliegenden Parkplatz.

Dort sind wir dann hinabgestiegen und waren doch überrascht von den gewaltigen Basaltsäulenwänden, die sich uns dann dort zeigten. Die Gesteinsformationen dort im Canyon sind wirklich beeindruckend und sehr gut über Stege, Treppen und Aussichtsplattformen erschlossen. Wir haben einige Zeit dort verbracht und die Stimmung der Basaltsäulen im Canyon des Jökla in uns aufgesogen.

Danach haben wir in der Küche des Campingplatzes gekocht – da es jedoch recht frisch war und die Küche ungeheizt haben wir dann bei mir im Sprinter gegessen und den schönen Tag Revue passieren lassen.

  • Entfernung: 154 km
  • Fahrzeit: 2:48 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 55 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 14,4 l/100 km

[134] Tag 31 – Es ist trüb im Park

Freitag, 29. Mai 2026

Wie gut, dass wir unsere Dieselheizungen haben – heute Nacht war es nicht soooo warm draußen …

Leichte Minusgrade letzte Nacht

Wir haben uns dann entschieden, die restlichen Touristenspots am Mývatn abzufahren – also einmal ‚rum! Den Anfang machten wir mit dem sehr schön angelegten Park Höfði.

Eingangsbereich vom Park Höfði

Es handelt sich um ein Wäldchen aus hauptsächlich Birken und sibirischen Lärchen, einige Hügel – alles wieder eine Lava-geformte Landschaft mit schönen Ausblicken auf das Lavafeld Dimmuborgir und den Mývatn. Wir hatten das Glück, einige Enten und Schwäne auf dem klaren Wasser des Sees beobachten zu können.

Der Hverfjall im Hintergrund, den wir gestern bestiegen haben.

Inmitten des Wäldchens findet sich ein kleiner Blumengarten – allerdings benötigen die Pflanzen dort noch ein paar Tage Sonne, bis sie anfangen zu blühen.

Von dort aus sind wir die paar Kilometer weiter zum Naturschutzgebiet Skútustaðagígar gefahren – dort gibt es einige Pseudokrater, die durch die Explosion von überhitztem Wasser, welches in Kontakt mit heisser Lava kam, entstanden sind.

Auf dem weiteren Weg um den See sind wir zum Sigurgeirs Bird Museum gefahren – nicht, um das Museum zu besuchen, sondern um nach Vögeln in freier Natur zu sehen. Dies hat leider nicht funktioniert, weil alles außer dem Bereich des Museums als „Privat“ markiert war.

Der Vulkan Vindbelgjarfjall, der Teil des Volkansystems des nahe gelegenen Zentralvulkans Krafla ist.

Da das Wetter für die Fotografie von Fotos sowieso nicht optimal war, haben wir den Versuch abgebrochen und sind nach Reykjahlíð im Nordosten des Mývatn weitergefahren, um dort zu tanken und eine Kleinigkeit einzukaufen. Tanken war okay, 267,9 isländische Kronen/1,87 € pro Liter. Der Supermarkt hingegen hat selbst für isländische Verhältnisse recht gewaltige Preise aufgerufen – so haben wir also nur die unbedingt nötigen Dinge gekauft.

Da freut sich jemand über Tortilla-Chips

Dann sind wir wieder auf den Campingplatz von gestern zurückgekehrt und haben die gleichen guten Plätze belegt. Ab 17:00 Uhr hat Ulf dann eine leckere Kartoffelsuppe gekocht – und davon deutlich mehr als benötigt, um die kommenden Tage weniger kochen zu müssen.

  • Entfernung: 38 km
  • Fahrzeit: 1:05 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 35 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 13,6 l/100 km

[133] Tag 30 – Es wird nass – diesmal von oben

Donnerstag, 28. Mai 2026

Heute soll wenig gefahren werden – wir wollen uns ein paar sehenswerte Dinge am Mývatn anschauen. Das Wetter sieht nicht ganz so vielversprechend aus – der Himmel ist erstmalig im Urlaub einheitlich grau und inkontinent. Leider behaupten die Wetter-Wahrsager, dass es sich die nächsten Tage auch nicht sonderlich ändern soll.

Blick zum Lavafeld Dimmuborgir

So entschieden wir, die kleineren Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten am Mývatn zu starten. Erstes Ziel: Das Lavafeld Dimmuborgir wenige Kilometer südlich des Campingplatzes. Das Lavafeld entstand aus einem Lavasee, dessen Oberfläche erstarrte und dann später zusammenbrach. Schlote und Teile der Decke blieben stehen – der Lava-See war damals etwa 10 m tief.

Lavaformationen im Dimmuborgir

Es wirkt, als würde man in Ruinen von Festungsanlagen etc. spazieren gehen. Die Wege sind zum Teil asphaltiert und sind insgesamt schön angelegt und mit Hinweistafeln versehen. Wir haben zwei der markierten Rundwege absolviert und viele sehenswerte Formationen bewundert.

Ein fröhlicher Lavafeld-Besucher

Es hat immer wieder etwas geregnet – wir hatten unsere Ponchos nicht umsonst angezogen. Wie schön wäre alles mit Sonne und blauem Himmel gewesen! Aber wir hatten jetzt 3 Wochen bestes Wetter und keinen einzigen Tropfen Regen, wenn wir uns etwas anschauen wollten – dann kann es auch mal ein bisschen regnen.

Die Kirkja (Kirche) benannte Höhle

Nach Absolvierung der beiden Rundwege haben wir in den Sprintern gefrühstückt und sind dann ein Stückchen zurück in Richtung Campingplatz gefahren, um uns den Krater Hverfjall anzuschauen. Wir haben wieder die Ponchos angelegt und haben uns den Wanderweg auf den zwischen 90 m und 150 m hohen Krater-Ring vorgenommen. Der Tuffring entstand vor etwa 2.500 Jahren, als eine gewaltige Wasserdampfexplosion vulkanisches Lockermaterial mit hochriss, welches am Rand der Wasserdampfsäule herunterrieselte und damit diesen Ring bildete.

Der Weg hoch zum Kraterrand des Hverfjall

Oben angekommen konnten wir dann in diesen Krater mit etwa 1 km Durchmesser hineinschauen – wirkt wie eine gewaltige Kiesgrube! Wie immer in Island war es windig – hier oben extrem windig. Insbesondere kurz hinter dem oberen Ende des Weges vom Parkplatz schien sich der Wind in dem Kessel wie durch eine Art Düse zu beschleunigen. Gehen und stehen war mit etwas Konzentration verbunden, Regentropfen im Gesicht waren ziemlich unangenehm. Gut, dass ich vorsichtshalber meine Radfahrbrille aufgesetzt hatte. Wir sind auf dem Kraterrand ein wenig Richtung Westen gegangen und haben uns dann entschieden, aufgrund des extremen Windes und des unangenehmen Regens den Rundweg auf dem Kraterrand nicht anzugehen.

Der Krater mit etwa einem Kilometer Durchmesser

Wir sind dann zum oberen Ende des Weges zum Parkplatz zurückgekehrt. Von dort geht der Weg auf dem Kraterrand kräftig nach oben. Wir wollten ein paar Meter hochlaufen, um den Blick in den Krater von etwas erhöhter Position zu genießen (sofern das bei dem Sturm und Regen möglich war). Der Anstieg war länger als gedacht, so dass Angela und ich dann entschieden, den restlichen Weg „einmal rum“ noch zu machen – Ulf ging zum Auto zurück.

Es ist ein bisschen windig

Der Wind war extrem, der Regen stellenweise mehr Graupel. Die Einschläge im Gesicht ziemlich unangenehm. Auf der Südseite zwischen den höchsten Erhebungen des Kraterrandes nahm die Windstärke gefühlt noch einmal deutlich zu. Teilweise war das Atmen erschwert – es war sinnvoll, die Nase aus dem Wind zu halten. Echt ein Erlebnis, den Krater zu erkunden. Das ist wie überall in Island nur auf den offiziellen Wegen erlaubt. Diese zu verlassen kann empfindlich bestraft werden und hat zum Ziel, die Natur trotz des hohen Touristenaufkommens bestmöglich zu schützen.

Blick nach Norden, im Hintergrund Dampfwolken von der Mÿvatn Earth Lagoon

Wieder zurück in den Sprintern haben wir uns zunächst mal trockengelegt. Die Hosen waren doch recht kräftig nass unterhalb der Ponchos ebenso wie die oberen Enden der Socken.

Blick auf den Tuffkrater Hverfjall von Süden

Dann ging es wieder zurück zum Campingplatz. Wir haben der Einfachheit halber den gleichen Platz angesteuert, den wir gestern bereits aufgesucht hatten. Dort gibt es halbwegs vernünftige Stellplätze und eine gut nutzbare Küche zur Zubereitung des Abendessens.

Kein Staub, keine Vulkanasche, sondern Schnee!
  • Entfernung: 13 km
  • Fahrzeit: 29 min
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 25 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 16,7 l/100 km

[132] Tag 29 – Einer der größten Wasserfälle Europas

27. Mai 2026

Wir fuhren über die schier endlosen und menschenleeren Hochebenen nach Vopnafjörður und dann weiter zur Ringstraße 1, um wieder etwas westlich zum See Mývatn zu kommen, doch zuerst ein kurzer Stopp im Supermarkt von Vopnafjörður für dringende Einkäufe für die Frühstückspause.

Schier endlose bis auf die Straße unberührte Landschaft. Aber kaum ein Baum und kaum ein Strauch.

Die teils verschneiten Landschaften, die Sonne, der strahlend blaue Himmel mit ein paar Wölkchen: Toll, was uns die Natur da zu bieten hat!

Ohne Worte …

An der Einmündung zur Ringstraße befindet sich ein kleiner Rastplatz, den wir genutzt haben, um unser Frühstück einzunehmen. Aufgrund des starken Windes (Überraschung!) haben wir das nicht auf der bereitstehenden Sitzgruppe des Rastplatzes gemacht, sondern in meinem Sprinter. Als wir da so saßen, beobachteten wir eine andere Reisegruppe, die den Versuch, dort zu essen, unternommen haben. Sie haben keine Minute durchgehalten und sich in ihr Auto verzogen.

Weiter ging es auf der Ringstraße nach Westen bis wir in den Baustellenstau an der einspurigen Hängebrücke über die Jökulsá á Fjöllum gerieten. Der aufmerksame Leser wird über diesen Fluss schon im gestrigen Beitrag gestolpert sein: Die Jökulsá á Fjöllum queren wir heute zum zweiten Mal mit dem Ziel, einen der größten Wasserfälle Europas zu betrachten, der ebenfalls von diesem Fluss gespeist wird.

Der Stau vor der Brückenbaustelle

Glücklicherweise dauerte der Stau nicht lang: Man hat die ganze Autoschlange auf einen Rutsch die Brücke, an der gearbeitet wird, passieren lassen. Ein paar Kilometer weiter sind wir dann rechts von der Ringstraße abgebogen und die restlichen 24 km bis zum Parkplatz gefahren. Hier tummelten sich viele Autos, aber zum Glück keine Reisebusse – es war also nicht so sehr voll.

Der Dettifoss

Wir machten uns den letzten Kilometer zu Fuß auf zum Dettifoss – immer den Massen folgend. Schade, dass es viele einfach nicht verstehen und deswegen die Wege eingezäunt werden müssen. Ist es soooo schwer, auf den Wegen zu bleiben, um die sensible Vegetation so gut es geht trotz der Besuchermassen zu schützen?

Dettifoss von einem anderen Aussichtspunkt

Der Wasserfall selbst zeigte sich von seiner besten Seite: blauer Himmel, ausreichend viele Wolken, um ein bisschen dramatischere Stimmung zu erzeugen und dank der Sonne schöne Regenbögen in der Gischt des etwa 100 m breiten und 44 m in die Tiefe stürzenden Jökulsá á Fjöllum. Natürlich war einiges los auf der Besucherplattform – sicherlich auch, weil das Ostufer des Wasserfalls inklusive der dorthin führenden Straße aufgrund des Winterwetters noch gesperrt ist. Aber wir konnten ein paar schöne Momente in der ersten Reihe erleben und das eine oder andere Foto schießen.

Der Selfoss etwa einen Kilometer oberhalb des Dettifoss

Wir sind dann auf den angelegten Wegen noch zum etwa einen Kilometer flussaufwärts gelegenen und 10 m hohen Selfoss gegangen, der deutlich weniger Publikum anzog. Nach der Aufnahme der vielen Eindrücke haben wir uns dann auf den restlichen Weg zu unserem heutigen Etappenziel Mývatn gemacht.

Die Island-Fahrer vor dem Dettifoss

Wie meist auf dieser Reise hatten wir wieder mal ein glückliches Händchen und sind gerade rechtzeitig auf dem Platz angekommen, um zwei halbwegs ebene nebeneinanderliegende Stellplätze zu bekommen und haben uns dann gleich auf in die Küche gemacht.

Auf dem Campingplatz, bevor es voll wurde

Nach dem Abendessen noch ein wenig Planung für den nächsten Tag und dann ab ins Bett.

  • Entfernung: 200 km
  • Fahrzeit: 3:33 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 56 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 13,2 l/100 km (Wind!)

[131] Tag 28 – Stone Arctic Henge

26. Mai 2026

Gegen 10:30 sind Angela und Ulf noch einmal zum Nettó gefahren, während ich auf dem Campingplatz den Grauwassertank meines Sprinters entleerte.

östlich von Húsavik

Wir sind dann nach Raufarhöfn gefahren. Dort gibt es einen netten kleinen Campingplatz, der in einem kleinen Erdwall als Windschutz angelegt wurde. In Raufarhöfn angekommen entschieden wir, weiterzufahren, da es noch sehr früh war. Allerdings wollten wir zuerst die Sehenswürdigkeiten am Ort anschauen.

Einspurige Hängebrücke über den Jökulsá á Fjöllum, den mit 206 km Länge zweitlängsten Fluss Islands.

Zunächst gibt es da den Arctic Henge, ein Kunstwerk, welches seit 2002 im Bau ist. Der Name ist angelehnt an Stonehenge. Ein beeindruckendes Gebilde aus passend gesprengten und aufeinander geschichteten Steinen. Nun hat man aber eine vollkommen deplatzierte Kanzel aus anderem Stein dort aufgestellt – seltsame Erscheinung.

Dann sind wir zum Leuchtturm vor dem Hafen gefahren – vor etwa 70 Jahren war der Hafen Raufarhöfn der zweitwichtigste Hafen für den Heringshandel in Island – heute gibt es da kaum noch Betrieb und der Ort hat nur noch knapp unter 200 Einwohner.

Im Ort selbst gibt es noch zwei alte Lagersilos der Fischölfabrik, die nun für Kunstaktionen/Musik verwendet werden. Eines davon ist offen und der Eindruck ist sehr anders als der des metallenen Silos in Djúpivogur – hier gibt es ein sattes Echo und keinen „Blechklang“.

Wir entschieden uns aber doch, diesen Platz des blühenden Lebens zu verlassen und unser Schlafdomizil etwas weiter südwestlich in Bakkafjörður aufzuschlagen. Auf dem Weg dorthin haben wir wieder ein Stück unbefestigte Straßen genießen können – aber die Jungs sind kräftig dabei, das bis zum Saisonstart zu bereinigen.

In Bakkafjörður fiel es uns zunächst nicht leicht, die Tankstelle und danach den Campingplatz zu finden. Die eine Zapfsäule (ohne weitere Werbung, Preistafel, Hinweisschild) war hinter einem Haus versteckt in der Sackgasse zu einem Schiffsanleger zu finden, der Campingplatz die Wiese neben dem Wohngebiet – als quasi der Vorgarten der am Rand stehenden Häuser.

Ganz schön: die Stellplätze haben kleine Holzverschläge als Windschutz und wir durften kostenlos Strom fürs Kochen anzapfen, was wir gerne genutzt haben.

Mit der Wera Mini-Ratsche kann man gezielt das Soll-Drehmoment der Sitzverschraubung einstellen. Nicht. 😉

Weil’s so schön war, habe ich heute den Fahrersitz noch einmal ausgebaut, denn die Servicemitarbeiterin des Ladewandler-Herstellers hatte sich per eMail gemeldet und ich sollte noch einmal ein paar Werte messen. Ergebnis: Gerät muss wegen eines Software-Updates eingeschickt werden. Also habe ich es gleich ausgebaut. Gut: Kein Hardware-Defekt 🙂

  • Entfernung: 233 km
  • Fahrzeit: 4:24 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 53 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 10,2 l/100 km

[130] Tag 27 – Ruhetag

25. Mai 2026

Wir haben lange ausgeschlafen und dann vor den Sprintern auf der Campingplatz-Wiese gefrühstückt – passend zum Start des Frauen-Fussballspieles der Jugendlichen, welches wir aus der Position zumindest in der rechten Spielfeld-Hälfte ganz gut verfolgen konnten.

Nach dem Frühstück habe ich versucht, den Fehler des Solar-Ladereglers der Starterbatterie zu beseitigen und musste, um an den Laderegler zu kommen, den Fahrersitz ausbauen. Leider brachte das nicht viel – ich habe immerhin die Spannungen messen können, um eine Fehlerbeschreibung formulieren zu können.

Mal eben den Fahrersitz ausbauen

Als ich alles wieder zusammengebastelt hatte, sind wir kurz zum Nettó gelaufen, um eine Kleinigkeit einzukaufen.

Die Húsavíkurkirkja

Nach dem Essen sind wir dann zur Küste gelaufen, um ein wenig nach Walen zu suchen. Auf unserem Spaziergang an der Küste haben wir dann tatsächlich auch einige Exemplare davon mit bloßem Auge erkennen können. Die Besucher des „GeoSea“ Thermalbades hatten dafür kein Auge – sie waren mit Selfies im Infiniti-Pool mit Cocktails in der Hand beschäftigt.

[129] Tag 26 – Fish & Chips

24. Mai 2026

Gegen 11 Uhr sind wir vom Campingplatz in Akureyri aufgebrochen.

Sprinter und eine startende De Havilland Dash 8

Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt sind wir dann beim Zwischenziel Goðafoss angekommen. Sagenhaft, wie groß die durch Auswaschungen entstandenen Höhlen geworden sind. Auch manche Pfeiler der Fußgängerbrücke stehen auf einer solchen ausgewaschenen Höhle.

Der Goðafoss ist 158 m breit und fällt etwa 11 m tief. Der an den Wasserfall anschließende Flusslauf im kleinen Canyon ist fast spannender als der durchaus imponierende Goðafoss selbst.

Weiter ging es dann nach Husavik, wo wir ausnahmsweise mal recht früh – um 13:30 – angekommen sind und uns in die warmen Mittagssonne legten.

In der Sonne und im Windschatten des Sprinters war es angenehm warm

Um kurz nach 18:00 Uhr starteten wir zu Fuß in die Stadt, um dort im Naustið zu Abend zu essen. Fish & Chips waren wirklich gut – für isländische Verhältnisse mit 30 € vermutlich halbwegs normal.

Die 1907 eingeweihte Húsavíkurkirkja

Gegen 20:00 Uhr waren wir wieder auf dem Campingplatz und haben uns neben die Sprinter gesetzt und Gin Tonic/Whisky getrunken bis etwa 21:30 Uhr. Dann ging’s ins Bett.

Fish & Chips waren lecker im Naustið
  • Entfernung: 85 km
  • Fahrzeit: 1:23 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 61 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: leider nicht abgelesen
Abendstimmung über dem Hafen in Húsavik

[128] Tag 25 – Jahreszeitenwechsel

23. Mai 2026
Die immerhin 639 m hohe Spákonufellsborg links und der 707 m hohe Illviðrishnjúkur rechts ist komplett in den Wolken

Als wir um 10:30 Uhr vom Campingplatz in Skagaströnd starteten, hingen die Wolken sehr tief. Das änderte sich in der ersten halben Stunde Fahrt und der blaue Himmel zeigte sich wieder.

Auf dem Weg zum Skagafjörður wurde das Wetter schon deutlich besser

In Hofsós am Skagafjörður haben wir unsere Frühstückspause eingelegt. Leider gab es da keinen schönen Rastplatz, an dem wir das machen konnten – also haben wir auf dem Kirchenparkplatz des Ortes unsere Pause eingelegt.

Die Basaltsäulen von Hofsós

Danach sind wir direkt davor die Treppe zum Ufer des Fjordes heruntergelaufen und konnten dort die großen Basaltsäulenformationen bewundern.

Weitere Basaltsäulen in Hofsós

In Siglufjörður zeigte sich dann der beeindruckende Anblick von Wolken, die über die Bergkette zum Heðinsfjörður herüberwaberten. Was für ein irres Schauspiel!

Das Westufer des Siglufjörður mit den herüberschwappenden Wolken.

Weiter ging es auf der 76 durch den ersten 3,7 km langen Teil des Héðinsfjarðargöng in den Héðinsfjörður. Dieser ist unbewohnt und wir fühlten uns in einer anderen Welt – als wären wir durch den Tunnel in eine winterliche Alpenlandschaft geleitet worden.

Der unbewohnte Héðinsfjörður, der wirkte wie in einem Skigebiet in den Alpen.

Auch der zweite Teil des Tunnels führte wieder in eine andere Welt. Dort war es wieder sonnig, blauer Himmel und einige Grad wärmer.

Der Sprinter im Héðinsfjörður

Weiter ging es dann nach Akureyri. Wir haben dort auf dem Parkplatz des botanischen Gartens geparkt und sind dann durch die Stadt gelaufen. Ziel war die Viking-Brauerei am Ende des Industriegebietes. Dort haben wir ein paar Fotos mit der angeblich größten Bierdose der Welt gemacht.

Hat schonmal jemand so ein hübsches Rotlicht in einer Verkehrsampel gesehen?

Zurück ging es dann durch den botanischen Garten zurück zum Parkplatz. Der Weg zum Campingplatz war nicht weit. Der Platz selbst war schon ziemlich voll, die Organisation „schwierig“. Da die Vorbereitung des Platzes auf die kommende Saison noch in vollem Gange war und dadurch große Bereiche noch nicht freigegeben waren, reichten die verfügbaren Plätze nicht mehr aus, so dass wir den Platz wieder verlassen und den Schotterplatz neben der Anmeldung aufsuchten. Dort haben wir passable Übernachtungsplätze gefunden – alles im Kuschelcamping-Modus. Und es kamen immer noch mehr Camper.

Aufgrund arg beschränkter Kochmöglichkeiten in den Servicegebäuden haben wir dann vor den Sprintern gekocht. Wie sieht es auf diesen Plätzen in der Hauptsaison aus? Ich möchte es mir gar nicht vorstellen. Geschlafen haben wir trotzdem gut.

  • Entfernung: 227 km
  • Fahrzeit: 4:33 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 50 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 11,2 l/100 km

[127] Tag 24 – Blau!

22. Mai 2026
Blick über den Steingrimsfjörður

Ausschlafen war angesagt – und zur Belohnung gab’s morgens schon einen wunderbar blauen Himmel. Wir sind dann gegen 11:00 Uhr aufgebrochen und sind in Richtung Skagaströnd gefahren. Auf dem Weg kamen wir an Pferdekoppeln, Schafherden hinter und vor den Zäunen vorbei und hatten den ganzen Tag blauen Himmel.

Blick auf den Campingplatz in Hólmavik

In Skagaströnd sind wir zum Naturschutzgebiet Spákonufellshöfði direkt am Fjord gelaufen und haben da den großen Rundweg eingeschlagen.

Straße über den Damm im Gilsfjörður

Zum Start ging es über einen Bohlenweg in der Nähe des Ufers, der zur Vogelbeobachtung angelegt wurde. Wir hatten das Glück, ab und zu den Rücken und die Rückenflosse eines Wals zu sehen.

Bohlenweg im Naturschutzgebiet Spákonufellshöfði

Weiter ging es dann über einen Trampelpfad bis zum vor wenigen Jahren angelegten Vogelbeobachtungsturm. Ich würde ihn eher als Sauna bezeichnen – wenn man es schon zu dieser Jahreszeit (wir sind mit dicken Jacken dorthin gelaufen) kaum darin aushält – wie soll es dann im Sommer sein?

Der Bohlenweg zur Vogelbeobachtung

Dann haben wir den Rückweg über das Naturschutzgebiet angetreten und sind zwischen einigen Pferdekoppeln wieder zum Campingplatz gelaufen.

Der Vogelbeobachtungsturm

In der kleinen Küche hat Ulf uns Abendessen zubereitet, welches wir auch dort gegessen haben.

Vogelbeobachter

Anschließend habe ich im Sprinter noch ein bisschen an diesem Reisebericht geschrieben und dabei die tollen Farben des Sonnenuntergangs genießen können.

Sonnenuntergang
  • Entfernung: 219 km
  • Fahrzeit: 3:31 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 62 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 12,2 l/100 km

[126] Tag 23 – Nass

21. Mai 2026

Wir verließen den schönen Campingplatz ziemlich genau um 10:00 Uhr in Richtung Ísafjörður Zentrum/Hafen. Dort konnten wir unsere Sprinter kostenlos für maximal 2 Stunden abstellen – das sollte reichen.

Unsere Sprinter auf dem Campingplatz unterhalb des Bunárfoss

Ísafjörður ist ein zentraler Hafen für den Fischfang in der Region – allerdings gibt es hier im Hafen tatsächlich auch einen Anleger für Kreuzfahrtschiffe. Was auch immer die dann hier wollen?! Wir spazierten etwas durch den Hafen, dann an der Mole entlang und durch das Städtchen zurück zu den Autos. In manchen Straßen mit gut gepflegten alten Fischerhäusern hat sich der Charme bewahrt – andere Ecken sind einfach nur seelenlos und häßlich.

Hafen von Ísafjörður

Also wieder zurück zu den Sprintern und dann noch einen kurzen Stopp beim bereits gestern aufgesuchten Bonus-Supermarkt. Von dort ging es dann weiter in Richtung des heutigen Übernachtungsziels Hólmavik.

Blick nach Súðavík über den Álftafjörður

Wir durften auf der 61 die Fjorde umfahren und haben dort viele tolle Ausblicke genießen dürfen. Im Hestfjörður sind wir vor der Brücke über den kleinen Fluss Hestfjarðará auf einen kleinen Parkplatz rechts abgebogen, um zu frühstücken. Beim Spazierenschauen während des Frühstücks dachten wir dann „ach, lasst uns ein wenig spazieren gehen.“

Der Hestfjörður

Das hat sich dann wirklich gelohnt: Wir sind dem Feldweg gefolgt und dann zum Wasserfall Bulafoss abgebogen. Der Weg ging über das durch das Wasser heruntergespülte Geröll bis zum Eingang in die kurze Schlucht zum Fall. Tolle und vor allem unerwartete Ausblicke haben sich uns da geboten, denn eigentlich war heute keine Wanderung und kein Wasserfallbesuch geplant.

Weiter ging die Fahrt durch traumhafte Fjordlandschaften, verschneite Hochebenen und (bis auf die Straße) unberührte Natur, bis wir dann in Hólmavik ankamen. Im Ísafjarðardjúp, dem größten der Fjorde in den Westfjorden, entdeckten wir dort das Expedition-Kreuzfahrtschiff Fridtjof Nansen.

Die Fridtjof Nansen

Im Vordergrund lagen ein paar Robben faul auf den flachen Felsen.

Fast am Ende des Ísafjarðardjúp entdeckte Angela im Vorbeifahren eine Rückenflosse. Ein Wal! Glücklicherweise gab es wenige Meter weiter einen Parkplatz, somit konnten wir die Kamera zücken und ein paar Fotos machen.

Der Campingplatz ist schön terrassenförmig angelegt mit kleinen grasbewachsenen Erdwällen zwischen den Stellplätzen und ist direkt neben dem gemeindeeigenen Schwimmbad gelegen.

Auf dem Campingplatz in Hólmavik

Das mussten wir natürlich ausnutzen und sind noch eine gute Stunde im Schwimmbad gewesen, welches neben dem 25-m-Becken drei Thermalbecken mit 30 °C, 38 °C und 41 °C. Diese haben wir natürlich auch ausführlich getestet, bis wir dann lange geduscht und anschließend Abendessen gemacht haben.

Heute hat Ulf Pfannkuchen und Apfelkompott gemacht