Freitag, 15. Mai 2026
Um kurz nach 9 Uhr morgens machten wir uns auf den Weg vom Campingplatz zum etwa 40 Fahrminuten entfernten Gullfoss. was hier gleich auffällt: Der Parkplatz ist kostenlos!

Nachdem Ulf und ich die Expeditions“busse“ auf dem Parkplatz begutachtet und bestaunt hatten, machten wir uns über die gut ausgebauten Stege und Treppen auf den Weg zu den unteren Aussichtspunkten.

Recht beeindruckend, dieser Wasserfall, der größer als der Rheinfall ist, aber deutlich weniger Wasser führt (mittlere Wasserführung 109 m3 im Vergleich zu 373 m3 beim Rheinfall). Der Gullfoss mit seinen zwei fast senkrecht zueinander stehenden Stufen weist eine Breite von etwa 230 m im Gegensatz zu den 150 m des Rheinfall auf bei einer Fallhöhe von 11 m und 21 m (Rheinfall 23 m).
Weiter ging’s zum Geysirfeld im Haukadalur, wo wir die „großen“ Touristenmegen genießen konnten. Was wird hier bloß in der Hauptsaison los sein, wenn es jetzt schon so voll ist? Jedenfalls ist man hier auch gerade massiv dabei, die Parkplätze zu erweitern, neue Wege zwischen den Geysiren anzulegen etc.

Bei den Geysiren gibt es nur noch einen, den Strokkur, der regelmäßig ausbricht – aktuell etwa alle 6 Minuten in eine Höhe von 25 bis 35 m. Es ist wirklich spannend, vor dem Strokkur zu stehen und zu raten, wann er ausbricht. Welche der großen Blubberblasen oder „Rülpser“ im Geysir kündigen jetzt direkt einen Ausbruch an?
Schon beeindruckend zu sehen, wie sich da riesige Luftblasen im Wasser bilden und dann plötzlich schießt die Fontäne kochenden Wassers in die Luft …
Wir sind im Haukadalur noch ein wenig zu den anderen Becken gelaufen – der Blesi beispielsweise ist eine Heißwasserquelle und kocht dauerhaft und blubbert heftig, während der „Große Geysir“, der dieser Art von Springquellen den Namen gab, nur noch sehr selten und unregelmäßig bis zu 10 m hoch ausbricht.

Vom kleinen oberhalb liegenden Gipfel hatten wir eine schöne Aussicht rundum und insbesondere auf das Geothermalgebiet.
Nach dem kleinen Rundgang über den kleinen Gipfel und den angrenzenden ehemaligen Campingplatz (wir der wieder geöffnet? Keinerlei Hinweise darauf. Toiletten geöffnet, quer über die Zufahrt liegen zugesägte Baumstämme) waren wir wieder beim Parkplatz und haben uns auf die Weiterreise gemacht.

Etwa 50 Minuten später kamen wir dann bei unserem heutigen Campingplatz an: dem Nyrðri-Leirar Campingplatz im Þingvellir National Park. Dieser Platz ist wegen der starken Niederschläge in den letzten Wochen nur teilweise geöffnet: Lediglich auf den geschotterten Wegen dürfen Fahrzeuge gestellt werden – die Wiesen dürfen lediglich für Zelte genutzt werden. Wie gut, dass wir so früh da sind und noch zwei geeignete Plätze für unsere großen Fahrzeuge finden. Der Platz wird im Verlauf des Abends doch arg voll.

Wir haben uns dann zu Fuß auf den Weg gemacht, die wichtigsten Punkte des Parks zu erkunden. Hier am Thingplatz haben schon die norwegischen Wikinger um 930 herum begonnen, jährliche Versammlungen abzuhalten und gesetzgeberische und gerichtliche Entscheidungen zu treffen. Ebenfalls hier wurde 1944 die Republik Island aufgerufen und 1994 die Fünfzigjahrfeier zelebriert.

Auf dem Weg zum Thingplatz haben wir uns die Almannagjá (Allmännerschlucht) und den Öxarárfoss angeschaut. Der Fluss Öxara fließt ein Stück durch die Schlucht und verlässt diese dann über ein paar Stromschnellen. Die deutschsprachige Wikipedia behauptet, der Wasserfall sei vermutlich künstlich angelegt worden, um die Thingstätte mit Wasser zu versorgen.

Tatsächlich ist gerade der Flussverlauf in der Almannagjá sehr schön anzusehen, wie sich das Wasser durch die bemoosten Felsen schlängelt. Hinter dem Wasserfall sind wir dann noch zum Aussichtspunkt Hakið hochgelaufen, von dem aus sich ein schöner Blick über den See Þingvallavatn bot sowie den Fluss Öxara und ebenfalls zur Silfra-Spalte, zu der wir uns dann noch aufmachten.
Die Silfra-Spalte liegt ebenso wie die Almanngjá in der Trennungslinie der Nordamerikanischen und der Eurasischen Platte. Sie weist an beiden Enden ein weitverzweigtes Höhlensystem auf und wird vom Schmelzwasser des 50 km entfernten Langjökull-Gletschers gespeist, welches zwischen 30 und 100 Jahren für diese Strecke benötigt. Das Wasser ist dadurch sehr klar und mit 2-3 °C sehr kalt – weist aber Sichtweiten von bis zu 100 m auf.

Zurück auf dem Campingplatz hat uns Ulf dann hinter den Autos auf dem Grill ein superleckeres Abendessen gezaubert – wir meinten, auf dem mittlerweile gut gefüllten Platz viele neidische Blicke zu ernten.



















