[061] Tag 020 – Grenzen

Donnerstag, der 26. Juni 2025

Nach einer kurzen Nacht – ich hatte bis etwa 2:00 Uhr an diesem Reisebericht geschrieben – habe ich kurz gefrühstückt und mich dann auf den Weg gemacht. Die erste Etappe war allerdings nur wenige 100 m lang: Ich stoppte auf dem Parkplatz gegenüber der Kapelle „König Oskar II.“.

Friedhof und Kapelle „König Oskar II.“

Hinter der Kapelle bin ich ein paar Meter den Hügel hinaufgekrabbelt, um eine etwas bessere Fotoposition zu haben. Leider war die Kirche abgeschlossen, so dass ich nur durch die Fenster schauen konnte.

Den Weg zum Strand versperrten dann ein paar Rentiere, die ich nicht weiter stören wollte, daher machte ich mich wieder zum Camper und damit auf den Weg zurück.

Ich biege gleich links ab – drehe aber vor dem Grenzübergang besser wieder um

Für ein kleines Eis bog ich dann am Ende der Stichstraße zu Grense Jakobselven nach links in Richtung Murmansk ab auf den Parkplatz direkt am Ufer des Pikevatnet, in direkter Nachbarschaft des Grenzübergangs von Storskog.

Der Grenzübergang Storskog – der einzige Straßen-Grenzübergang zwischen Norwegen und Russland

Dort wird gerade gebaut – ich habe allerdings nicht erfahren können, was genau gemacht wird. Aufgrund des Ukraine-Kriegs und der damit verbundenen Sanktionen gibt es dort momentan kaum grenzüberschreitenden Verkehr.

Brücke über den Pasvikelva, der den größten See Lapplands, den Inarijärvi entwässert und im späteren Verlauf den Großteil der norwegisch-russischen Grenze darstellt

In Hesseng, ein paar Kilometer südlich von Kirkenes habe ich bei Rema 1000 noch ein paar Lebensmittel und sicherheitshalber noch zu einem guten Preis ein Thermacell MR300 Mückenabwehrgerät inkl. Nachfüller gekauft.

interessante Kombination ;-), gekauft im Rema 1000 in Hesseng

Danach noch schnell tanken und ab nach Süden in Richtung Øvre-Pasvik-Nationalpark. Die Straße geht 115 km nach Süden – und ist eine Stichstraße. Also muss ich den ganzen Weg auf genau der gleichen Strecke wieder zurück.

Aussichtsturm „Hügel 96“

Etwa 39 km später mache ich Zwischenstopp am Aussichtsturm „96-Høyden Utsiktstårn“. Dort angekommen habe ich die steilen Stufen erklommen und mir danach eine Waffel mit heißer Schokolade gegönnt. Lecker war’s! Und natürlich konnte man für alles mit Kreditkarte/Apple Pay bezahlen.

Nach der Stärkung fuhr ich weiter nach Süden auf zunehmend schlechter werdender Straße – hier war die Frage: langsam fahren oder im Stile der australischen Trucker mit über 60 km/h über die Schlaglöcher „fliegen“? Ich entschied mich für langsames Fahren – doch manchmal hatte man den Eindruck, das Auto will sich überschlagen.

Die Abzweigung zum „Treriksrøysa“

Dann kam ich irgendwann an der Gabelung an, an der die Wegweiser versprachen, dass ich nur noch 19 km zu fahren habe. Diese 19 km stellten sich als Feldweg heraus.

Keine Lego-Wohnwagen alleine ohne Zugfahrzeug stehen lassen!

Teilweise glatte Sandpiste, teilweise fiese Steine, teilweise noch fiesere Schlaglöcher. Auf jeden Fall zu „bumpy“ für die Verriegelung des Schwerlastauszugs im Heck – der scheint sich zwischendurch entriegelt zu haben, um dann die eingelagerten leeren Getränkedosen zu zerquetschen. Ob ich dafür trotzdem noch Pfand erhalte?

Sandpiste

Die 20 km haben sich ganz schön gezogen – ich habe etwa eine Stunde für die Strecke benötigt.

Kiespiste

Angekommen am Wanderparkplatz am Ende des Weges (ein scheinbar verlassenes Wohnmobil stand noch dort) habe ich den Camper in Sichtweite des norwegischen Beobachtungsturms abgestellt. Kurze Zeit später bemerkte ich eine junge Joggerin auf dem Parkplatz, in der Hand ein großes Funkgerät. Sie stellte sich als Mitglied der norwegischen Grenzschutztruppe vor und fragte mich, ob ich zum Grenzstein des Grenzpunktes zwischen Norwegen, Finnland und Russland laufen wolle. Sie überzeugte mich, den „Spaziergang“ jetzt noch zu starten – es war kurz nach 20:00 Uhr.

Parkplatz am Ende der Piste – in Sichtweite des Wachturms

Sie teilte mit, es sein eine schöne Wanderung über ebenes Gelände – keine größeren Schwierigkeiten und etwa 5 km pro Richtung. Ich entschied mich trotzdem, die Wanderstiefel anzuziehen, was sich am Ende als vorteilhaft herausstellte.

Ein Großteil des Weges besteht aus einem zweispurigen Bohlenweg, der gebaut wurde, damit die norwegischen Grenzschützer mit kleinen Kettenfahrzeugen oder Quads dort durchfahren können.

Am Ende des Bohlenweges ging es noch einen ziemlich steinigen Weg einen kleinen Hügel bergauf, bis ich dann einen Dieselgenerator im Wald und Stimmen hörte. Ich war angekommen.

Am „Treriksrøysa“, dem Dreiländersteinhaufen angekommen, wurde ich von zwei jungen norwegischen Grenzschützern begrüßt. Die beiden machen ihren 12-monatigen Pflichtdienst an diesem Standort. Sie kommen gebürtig aus Kristiansand und sind somit so ziemlich am weitestmöglich entfernten Punkt Norwegens eingesetzt. Sie sind zu sechst stationiert und haben an diesem Stück der Grenze 4 Wochen Dienst – ohne Telefon und Mobilfunkempfang – nur Fernsehen.

Sie müssen immer dann am Dreiländergrenzpunkt sein, wenn sich dort Touristen aufhalten. Sie haben diesen die Spielregeln zu erklären und deren Einhaltung zu überwachen.

Der Bohlenweg für die Grenzschützer

Nach der sehr netten Unterhaltung mit den beiden habe ich mich auf den Rückweg gemacht und die tolle Abendstimmung genießen können. Irgendwie fand ich es beruhigend, die Stimmen der beiden etwa im Abstand von 100 m hinter mir zu hören, denn sie verließen Ihren Posten am Dreiländergrenzpunkt und liefen auch zurück zum Wachturm (den ich nicht fotografieren durfte und die bereits erstellten Fotos löschen musste – inkl. kürzlich gelöschten) …

Gegen 23 Uhr bin ich dann wieder am Camper gewesen – verschwitzt aber glücklich, dass ich die Tour noch abends gemacht habe bei bestem Wetter. Danke an die nette Grenzschützerin für den Vorschlag! Ich habe dann noch eine Dusche genommen und eine Kleinigkeit gegessen – und Mücken gejagt. Teils erschlagen, teils geschrötert. Ich zähle mindestens 7 Stück im Camper die während des schnellen Einsteigens den Weg hinein gefunden hatten.

Der Insekten-Schröter – bestes Gerät im Camper
  • Entfernung: 172 km
  • Fahrzeit: 4:27 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 39 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: nicht nachgeschaut

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