[071] Tag 30 – Es riecht verbrannt

Sonntag, 6. Juli 2025

Die Nacht war ruhig und ereignislos bis auf: Es juckt am linken Handgelenk und am Knöchel – offensichtlich habe ich gestern Nacht ein paar Stechmücken im Camper übersehen.

Der Inselten-Schröter. Achtung – nichts für schwache Nerven!

Also den Schröter rausgeholt – die Viecher waren am Morgen etwas unvorsichtig. Ich habe mich noch nicht getraut, die Drähte anzufassen, da scheint Dampf drauf zu sein 🙂

Gut gewählt, die Felseninsel zischen dem Pihlajavesi und dem Haukivesi. Hier herrscht eine ordentliche Strömung, so dass das erreichen der Insel ohne die Brücke nicht einfach ist.

Dann habe ich in Ruhe frühstücken können und habe mich danach auf den Weg in Richtung Savonlinna gemacht.

Da lauert der Feind …

Dort gibt’s als Haupt-Sehenswürdigkeit die Festung Olavinlinna und die will ich mir anschauen.

In der Stadt unweit der Festung gibt es einen kostenlosen Parkplatz für Wohnmobile, wo tatsächlich einer frei war – glücklicherweise habe ich ein kleines (zumindest recht schmales) Auto, so dass ich mich da reinquetschen konnte.

Der nordöstliche Turm und das Zeltdach des Opernfestivals, welches wegen der winterlichen Schneelast jährlich auf- und abgebaut wird.

In der Festung habe ich mir zunächst ein Ticket für eine englische Führung gekauft und hatte dann etwa 40 Minuten Zeit, die öffentlich zugänglichen Bereiche der Festung anzuschauen.

Blick von der Festungsmauer auf die Eisenbahn- und dahinterliegende Straßenbrücke.

Die erste Festung an dieser Stelle wurde 1475 von den Schweden erbaut, um sich gegen die Russen verteidigen zu können. Es ist die nördlichste noch erhaltene mittelalterliche Steinfestung in Europa. Die Festung wurde im Laufe der Jahrhunderte immer weiter aus- und umgebaut. Sie hatte im Maximalausbau 5 Türme an den Ecken, von denen heute noch drei erhalten sind. Der St. Erik’s Turm war auf schlechter Gründung erbaut und stürzte bald ein, von ihm gibt es heute nur die Fundamente, da er nie wieder aufgebaut wurde. Der „dicke Turm“ beinhaltete das Magazin und die Pulverkammer – und Überraschung: er flog 1791 mit einem großen Knall davon. Seine Fundamente wurden zu einer widerstandsfähigen Verteidigungsanlage umgebaut.

Die Olavinlinna von Westen aus gesehen

Um 15 Uhr ging es dann los mit der Führung. Angelika sprach sehr gut deutsch, begrüßte alle Teilnehmer in ihrer jeweiligen Landessprache und leitete uns kurzweilig durch die Festung, die einige verheerende Brände im 19. Jahrhundert überstehen musste, wurde in den 1960er Jahren umfassend restauriert und gesichert. So ist beispielsweise die große Halle mit einem neuen Dach aus Beton versehen worden, welches innen und außen die ursprüngliche Form nachbildet und außen mit Kupfer gedeckt ist.

Eines der angeblich dampfbetriebenen historischen Ausflugsboote

Eine beeindruckende Anlage, die wohl nie erobert wurde, obwohl es die Russen mehrfach versucht hatten. Dort wird auch außerhalb der Besichtigungen einiges geboten: Nahezu alle Räume können für Veranstaltungen verschiedenster Arten gemietet werden und aktuell läuft wieder das Savonlinna Opera Festival, welches erstmalig 1912 stattgefunden hat und mittlerweile zu internationaler Anerkennung aufgestiegen ist. Etwa 60.000 Besucher zählt das Festival jährlich in dieser einmaligen Kulisse. Das Zelt inkl. Bestuhlung wird übrigens jedes Jahr nach dem Festival ab- und davor wieder aufgebaut. Das Festival dauert ca. 1 Monat, der Auf- und Abbau laut Führung jeweils etwa 2 Monate.

Getränkestand des Opern-Festivals. Die Preise sind genauso idiotisch wie bei uns.

Nach der Besichtigung der Festung bin ich am Ufer des Pihlajavesi in Richtung Hafen gelaufen, wo allerlei historische und weniger historische Ausflugsschiffe auf ihre Kunden und Fahrgäste warten.

Der Dampfschoner (Segel und Dampfmaschine) Salama, erbaut 1873-1874, transportierte Passagiere und Fracht hauptsächlich auf der Route Joensuu, Savonlinna, Wyborg, St. Petersburg bis zu 20 mal pro Jahr. Nach einem Umbau 1883 konnten 60 Passagiere transportiert werden, das Essen an Bord war hoch gelobt. Bei einer Kollision verursacht durch ein anderes Schiff sank die Salama in der Nähe von Puumala und konnte mit der damalig verfügbaren Technik nicht gehoben werden. 1971 wurde das Schiff gehoben und als Museumsschiff in den alten Zustand versetzt.

Angeblich fahren da noch zwei historische Dampfschiffe – vielleicht klappt’s beim nächsten Besuch. Stattdessen noch ein kleiner Abstecher zu Fuß vom Hafen in den Dom von Savonlinna.

Diese evangelisch-lutherische Pfarrkirche wurde 1874-1878 erbaut und war von 1896-1925 Bischofssitz. Auch wenn der Bischof seitdem im nun russischen Wyborg sitzt, hat die Kirche den Titel „Dom“ behalten. Bilder zeigen, dass die Kirche gegenüber dem heutigen Bauzustand insbesondere im Innenraum früher aufwändiger gestaltet war. Dies liegt an Beschädigungen im sowjetisch-finnischen Winterkrieg 1940, in dem der Dom bei Bombardierungen massiv beschädigt wurde, bevor er 1947-1948 etwas einfacher wieder aufgebaut wurde.

Nach Rückkehr zum Auto habe ich mir unweit eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht, zu der ich etwa 25 Minuten gefahren bin und wo ich jetzt diesen Tagesbericht schreibe.
Gute Nacht!

  • Entfernung: 74 km
  • Fahrzeit: 1:07 h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 66 km/h
  • Durchschnittsverbrauch: 11,6 l/100 km

PS: Es riecht schon wieder verbrannt …

Ich habe noch eine kleine Hilfe für den „Insekten Schröter“

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